Vertreter*innen der Halterner Grünen treffen Dr. Marco Zerwas ( Landratskandidat der Grünen)

Selbstbestimmt Leben im Alter – selbstbestimmt Leben im Quartier

Wir leben immer länger und das ist gut so. Jeder fünfte Mensch in NRW ist über 65 Jahre alt – Tendenz steigend. Wir GRÜNE wollen, dass jeder Mensch selbstbestimmt und in Würde alt werden und sein kann.

Älter zu werden bedeutet heute etwas anderes als früher. Viele Menschen sind am Ende ihrer Berufstätigkeit eigenständig und aktiv, doch mit dem Ende der Erwerbsarbeit haben viele die Sorge, in ein Loch zu fallen, soziale Kontakte zu verlieren und keinen geregelten Tagesablauf mehr zu haben. Die Folge: Angst vor Einsamkeit. Dabei kann diese Zeit eine neue Lebensphase sein, die sie der Familie und dem Engagement für die Gesellschaft widmen wollen. Dieses Engagement wollen wir GRÜNE besser unterstützen, denn es bereichert unsere Gesellschaft, die vom Erfahrungsschatz und der Zeit älterer Menschen enorm profitieren kann.

Manche Menschen sind aber auch gezwungen, länger zu arbeiten, weil die Rente nicht zum Leben reicht. Andere haben bereits in jüngeren Jahren Erfahrungen mit sozialer Ausgrenzung gemacht und müssen befürchten, auch im Alter von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen zu sein. Wir GRÜNE kämpfen entschieden für gerechte Löhne, die im Alter vor Armut schützen, und für eine auskömmliche soziale und finanzielle Sicherung im Alter. Und wir sehen die besonderen Bedarfe von Menschen, die aus sozialen oder kulturellen Gründen Benachteiligung erfahren.

Wenn im Alter der Unterstützungsbedarf wächst, wird vieles schwieriger: Körperliche Beeinträchtigung und Pflegebedürftigkeit schränken die persönliche Mobilität ein. Dadurch können ältere Menschen ihren Alltag nicht mehr alleine bestreiten und sind auf fremde Hilfe angewiesen, insbesondere wenn Angehörige weit weg wohnen oder beruflich stark eingebunden sind. In einer vielfältigen Migrationsgesellschaft heißt Älterwerden auch, dass die Ansprüche an die soziale, Gesundheits- und Pflegeinfrastruktur diverser werden. Insbesondere mit dem Eintritt in den Ruhestand der ersten, teilweise auch schon der zweiten Generation der Familien der „Gastarbeiter*innen“ ist der Anteil von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in der Pflege deutlich gewachsen und wird weiter ansteigen. Dies verlangt eine kultursensible Pflege, die zwingender Bestandteil zum einen der Ausbildung, aber eben auch der Pflegeinfrastruktur im Lebensumfeld sein muss.

Wir GRÜNE wollen, dass Menschen genau die Unterstützung finden, die sie brauchen, um selbstbestimmt zu altern. Wo ginge das besser als im direkten Lebensumfeld? Wir wollen dieses Lebensumfeld stärken. Wir wollen, dass unsere Stadtteile und Dörfer mehr sind als eine Ansammlung einzelner Häuser, Straßen und Geschäfte. Der Vereinzelung setzen wir die Vision eines Quartiers für alle Generationen entgegen: Der Stadtteil oder das Dorf als Lebensmittelpunkt, in dem Gemeinsamkeit möglich wird. Hier steht alles fußläufig und barrierefrei bereit, was Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen brauchen: Von Gesundheitsversorgung und Pflegedienstleistungen über Einkaufsmöglichkeiten hin zu öffentlichen Treffpunkten, Kultureinrichtungen und Spielplätzen.

Der Weg zu dieser Vision führt über unsere Städte, Gemeinden und Kreise. Sie müssen die Stadtentwicklung und die Pflegeplanung wieder stärker in die Hand nehmen und ihre Kommunen zu Zukunftsdörfern und -quartieren umbauen. Für eine solche integrierte, den demografischen Wandel und die nötigen Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung berücksichtigende Stadtentwicklung brauchen unsere Kommunen die Unterstützung des Landes.

Alt und motiviert – Engagement im Alter besser unterstützen

Im Alter können Menschen viel geben: Die Gesellschaft kann vom Erfahrungsschatz und der Zeit älterer Menschen enorm profitieren. Viele ältere Menschen engagieren sich in Vereinen und Kirchen, ehrenamtlich in der Politik, in Seniorenbeiräten und Nachbarschaftsinitiativen. Und es sind zuallererst Menschen im Alter, die sich bei Einschränkungen, Behinderungen und Krankheiten gegenseitig unterstützen. Damit sorgen sie für handfeste Einsparungen in der Pflege. Dieses Engagement verdient Anerkennung und Unterstützung durch die Politik. Wir wollen die Netzwerkarbeit älterer Menschen in ihrem Quartier unterstützen und mehr Beteiligungsmöglichkeiten schaffen. Die Schwarz-Gelbe Landesregierung macht genau das Gegenteil: So streicht sie etwa ab diesem Jahr Gelder bei der Initiative „Zwischen Arbeit und Ruhestand“ (ZWAR). In dieser Initiative organisieren sich Senior*innen selbst, engagieren sich für die Gemeinschaft und unterstützen sich gegenseitig. Mit den Kürzungen der Landesmittel steht die landesweite Koordinierung dieser Initiativen vor dem Aus. Wir GRÜNE unterstützen die Initiative weiter im Kampf gegen diese Kürzungen, weil wir wissen, dass die erfolgreiche Selbstorganisation von Menschen im Alter einen professionellen Beratungs- und Unterstützungsrahmen braucht.

Pflege stärken

Immer mehr Menschen in NRW benötigen Pflege. Aktuell sind es über 750.000 Menschen. Darüber hinaus benötigen etwa 300.000 Personen mit Demenzerkrankung Hilfe und alltägliche Begleitung. Der Bedarf nach einer auskömmlichen und qualitativ hochwertigen Pflegeinfrastruktur ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen und wird auch in den kommenden Jahren weiter steigen. Dieser wachsenden gesellschaftlichen Bedeutung der Pflege steht weiterhin ein massiver Pflegenotstand gegenüber, der auf fehlende Wertschätzung, unzureichende Entlohnung, hohe Arbeitsbelastung und mangelnde Zeit für die Pflege zurückgeht. Dieser Notstand ist einem reichen Land schlicht unwürdig. Wir haben uns in der rot-grünen Landesregierung erfolgreich dafür eingesetzt, die Zahl der Auszubildenden in der Pflege massiv zu steigern. In keinem anderen Bundesland wurden in dieser Zeit so viele neue Ausbildungsplätze geschaffen. Doch dieser Weg muss konsequent fortgesetzt und weiterentwickelt werden. Wir wollen zudem weiter dafür sorgen, die Arbeitsbedingungen in der Pflege zu verbessern und dafür beispielsweise die Chancen der Digitalisierung zu nutzen. Darüber hinaus wollen wir die Unterstützung pflegender Angehöriger verbessern.

Leben im Quartier

Wir GRÜNE wollen die Selbstbestimmung von Pflegebedürftigen fördern. Die meisten Menschen wollen zu Hause oder zumindest in ihrem angestammten Umfeld wohnen bleiben und ambulante Pflege in Anspruch nehmen. Deshalb wollen wir in der Pflegepolitik weg von Großeinrichtungen hin zu Wohn- und Pflegeformen im Lebensumfeld der Menschen. Dafür müssen die Kommunen und Kreise die Pflegebedarfsplanung selbst in die Hand nehmen. Sie dürfen die Entwicklung der (Pflege)Infrastruktur nicht dem freien Markt überlassen. Sie müssen aktiv generationengerechte Quartiere planen, in denen Pflege und Unterstützung, Gesundheitsversorgung, Einkaufen und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs für alle Generationen zugänglich sind.

Wer Unterstützung im Alltag braucht oder Pflege benötigt, braucht kurze Wege und eine abgestimmte Gesundheitsversorgung „aus einem Guss“. Hierfür gibt es bereits Vorbilder wie das Zukunftsdorf Legden, in dem alle Gesundheitsdienstleistungen barrierefrei im Ortskern zu erreichen sind. Wir GRÜNE wollen, dass überall in NRW Arztpraxen, Krankenhäuser, Pflegedienste und -einrichtungen im Quartier besser zusammenarbeiten und gebündelt werden. Über Angebote zur Tages-¬, Nacht-¬ und Kurzzeitpflege sowie Einrichtungen wie Quartierstützpunkte oder Nachbarschaftszentren, sichern wir eine Pflege und Unterstützung rund um die Uhr. Wir setzen auf Alternativen zum klassischen Heim wie Wohn- und Hausgemeinschaften mit umfassender Pflege, Mehrgenerationenwohnen und „Wohnen mit Versorgungssicherheit“ in der eigenen Wohnung oder Modelle wie „Wohnen für Hilfe“.

Diesen Quartiersansatz verfolgen immer mehr Kommunen. Allerdings ist der finanzielle Rahmen für den Landesförderplan Alter und Pflege von der CDU/FDP Landesregierung in den letzten Jahren erheblich gekürzt worden. Förderprojekte, die die ehrenamtliche wie auch professionelle Quartiersarbeit unterstützen, wurden nach und nach gestrichen.

Die Landesregierung will die Entwicklung der Pflegeinfrastruktur wieder dem freien Markt und den Interessen der Investoren überlassen. So hat sie den Vorrang ambulanter Wohn- und Pflegeformen gestrichen. Jetzt müssen auch wieder neue Großeinrichtungen geplant werden, obwohl bereits viele Kommunen den innovativen und menschenorientierten Weg hin zu Quartierskonzepten verfolgen.

Wohnquartiere sind nicht nur für Menschen im Alter wichtig, sie müssen auf alle Generationen und auf das gedeihliche Zusammenleben zwischen den Generationen ausgerichtet sein: Familien finden hier Unterstützungs- und Beratungsangebote. Das Quartier ist so gestaltet, dass Kinder überall spielen können, sicher und frei. Jugendliche finden hier Frei- und Gestaltungsräume. Im Zentrum des Quartiers stehe Orte der Kommunikation, wie z. B. Stadtteilzentren, Quartiersstützpunkte, Nachbarschaftstreffs und einladende öffentliche Plätze. Sie ermöglichen Kontakt und Kommunikation, lassen die Gemeinschaft positiv erleben und stärken die Identifikation mit dem Quartier.

Bauen und Wohnen – gemeinnützig!

Wer lebenswerte Quartiere möchte, muss die Stadtentwicklung aktiv in die Hand nehmen. Wenn wir sie dem freien Markt überlassen, entstehen bloß einzelne Wohn- und Geschäftseinheiten, und keine zusammenhängenden Stadtquartiere, die als ganzes funktionieren. Wir GRÜNE treten ein für eine gemeinnützige Wohnungspolitik. Unsere Städte und Gemeinden müssen wieder über mehr Grund und Boden verfügen, damit sie die Stadtentwicklung überhaupt gestalten und steuern können. Mit einem Vorkaufsrecht für Kommunen stellen wir das sicher. Bauflächen sollen von der öffentlichen Hand nicht mehr verkauft, sondern langfristig verpachtet werden (Erbbaurecht). Den Zuschlag soll nicht der Meistbietende erhalten, sondern vorrangig soziale und inklusive Wohnprojekte oder genossenschaftliche Wohnformen. Wir brauchen feste Quoten für sozial geförderten Wohnungsbau. Gleichzeitig brauchen wir eine Stärkung der kommunalen Wohnungsunternehmen, die nicht zuletzt auch eine wichtige Rolle dabei spielen, für Menschen in besonderen Lebenslagen Wohnraum zu ermöglichen. In NRW gibt es kein ausreichendes Angebot an barrierefreien und bezahlbaren Wohnraum. Die schwarz-gelbe Landesregierung hat klare Vorgaben hierfür gestrichen. Viele Menschen, die selbstständig leben wollen, sind bislang gezwungen in Sondereinrichtungen oder völlig ungeeigneten Wohnungen zu leben. Die Schaffung eines bedarfsgerechten Angebotes an barrierefreiem und rollstuhlgerechtem Wohnraum muss daher eine zentrale Aufgabe sein.

Im Alter mobil

Gerade im ländlichen Raum und am Stadtrand sind Menschen mit Einschränkungen häufig auf ein Auto angewiesen – wer dies nicht mehr nutzen kann oder möchte, ist stark eingeschränkt. Doch auch in der Stadt können Barrieren schnell dazu führen, dass ältere Menschen immer seltener das Haus verlassen. Das erschwert ihnen zum einen den Zugang zu Gesundheitsleistungen und zur Versorgung mit Gütern des alltäglichen Bedarfs. Zum anderen aber verhindert es kulturelle und gesellschaftliche Teilhabe und die selbstbestimmte Gestaltung der Freizeit. Unser Ziel ist, Mobilitätshemmnisse konsequent abzubauen. Wir setzen uns deshalb dafür ein, den altersgerechten und barrierefreien Ausbau des ÖPNV voranzutreiben. Zudem wollen wir Kommunen ermuntern und dabei unterstützen, weitere alternative Verkehrsangebote wie Mitfahrerbänke und Bürgerbusse zu prüfen und zu entwickeln und internetbasierte, generationengerechte Informationsportale zu fördern, die alle etablierten Mobilitäts- und Serviceangebote vor Ort beinhalten. Für den Freizeitbereich wollen wir Initiativen wie „Radeln ohne Alter“ unterstützen, bei der mit E-Rikschas Menschen aus stationären Pflegeeinrichtungen von Ehrenamtlichen abgeholt und gefahren werden.

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